Theater mit Menschen mit Behinderung

Inklusive Theaterarbeit für Erwachsene

 

"«Bereitsein ist alles», sagte Hamlet, nur zu spät.“ schreibt George Tabori in einem Artikel über den „Kreis“, sein Theaterprojekt in Wien [1]. Ein Theater, das auf demokratischem Miteinander, gemeinsamem sowie improvisatorischem Arbeiten basierte.

Immer wieder habe ich deshalb George Tabori zitiert, wenn es um die Theaterarbeit mit Menschen mit einer geistigen Behinderung ging.

 

„Bereitsein ist alles“ heißt es dabei nämlich immer: Du drehst Dich um, und es ist anders. Mehr als in der Theaterarbeit mit Kindern und Jugendlichen ist hier von der Spielleitung Spontaneität und Kreativität gefragt, denn immer wieder zeigt sich: Gibt man denjenigen, die oftmals nicht die Chance haben, sich künstlerisch auszudrücken, die Möglichkeit und Anleitung dazu, brechen Dämme auf, die nicht Geahntes zutage bringen.

 

Nicht wie Hamlet zu spät, sondern immer rechtzeitig heißt es hier „Bereitsein ist alles“, denn hier kann Kunst entstehen, können Theaterproduktionen auf die Bühne gestellt werden, die jenseits des Mitleidsapplauses stehen, die Sätze wie „das war einfach nur Theater und nicht Behindertentheater“ vom Zuschauer evozieren - Wann immer uns das gelingt, ist das Selbstverständnis der Kunst behinderter Menschen etwas präsenter geworden.

 

Die Theaterarbeit mit Menschen mit einer geistigen Behinderung stellt immer wieder einen Versuch dar, zwischen Kunst und Bildungsarbeit herauszufinden, was inklusiv möglich ist.

 

Kunst bedeutet, immer wieder neue Erfahrungen zu machen: das, was man kennt immer wieder neu zu sehen, unbekannte Aspekte herauszuarbeiten. Damit ist künstlerischer Ausdruck über die Grenzen von Behinderung hinweg für alle Menschen eine adäquate Form. Inklusiv kann dabei eine Theaterästhetik entwickelt werden, die durch die Kraft ihrer Bilderwelt und dem Aufeinandertreffen unterschiedlicher Erfahrungen, Herkunft und Fähigkeiten entsteht. Ziel ist diese Ästhetik mit ihren eigenen Formen und auch Inhalten.

 

Hintergrund ist dabei einerseits immer der inklusive Ansatz und damit die Bündelung der Fähigkeiten jedes Teilnehmenden hinarbeitend auf ein gemeinsames Produkt.

 

 

[1] Tabori, George: Verliebte und Verrückte. In: ders.: Betrachtungen über das Feigenblatt. Ein Handbuch für Verliebte und Verrückte. Frankfurt 1993. S.90.